Chornohora Sky Marathon, 61 km 3100 HM – Schneller-Höher-Weiter….

 

 

 

Sportunion-Triathlet Vadym Strasser nimmt gerne besondere, sportliche Herausforderungen an. Hier sein Bericht über einen Marathon, der über die „normalen“ Distanzen hinaus geht, besser gesagt, läuft :

 

 

 

 

 

Der Chornohora Sky Marathon findet in den ukrainischen Karpaten statt. Ich habe die lange Distanz von 61km mit 3100hm in Angriff genommen. Da es um eine Trailmeisterschaft ging, war das Starterfeld mit über 400 Startern, davon viele Profi-Athleten, sehr gut besetzt. Die Trailszene in den Karpaten in der Ukraine ist sehr schnell und stark gewachsen und hat viele excellente Läufer angezogen. Auf der kürzeren Distanz von 24km mit 1600hm waren sogar 800 Athleten angemeldet.

 

Für die weit entfernten Karpaten war dieser Berglauf somit eine große Veranstaltung. Der Veranstalter hat die Organisation, trotz weitliegende und mit dem Auto nicht erreichbare Berge, sehr gut gemeistert. Die Logistik war eine echte Herausforderung. Die zwei Labestellen auf der Strecke wurden vor dem Start zu Fuß gehend in der Nacht von freiwilligen Helfern befüllt. Die Menschen sind jeweils 10km und 14km zu Fuß bergauf durch die Nacht mit dem gesamten Proviant und den notwendigen Getränken gegangen und haben alles händisch raufgetragen! Es waren ja so viele Teilnehmer! Wahnsinn!

 

 

 

Aber zurück zum Start. Es war ein sehr heißer, aber auch ein extrem schöner Tag. Besseres Wetter am Berg kann man sich nicht wünschen. Die Strecke lief über alle sechs 2000er, welche in den ukrainischen Karpaten liegen. Das war eigentlich das Highlight von dem gesamten Event – alle höchsten Berge der Ukraine gleich an einem Tag besteigen zu können.

 

Ich bin bis jetzt noch nie in den Karpaten gewesen und für mich war es gleich noch ein besonderer Moment dorthin zu kommen und mal das Leben am Berg, wie es vielleicht vor 40 Jahren in Österreich gelebt wurde, erleben zu dürfen. Heu wird immer noch per Hand von den dort ansässigen Menschen aufbereitet und mit den Pferden transportiert.

 

Aber zurück zum Rennen selbst. Wir, die Athleten wurden mit Allradbussen aus der ehemaligen UDSSR- Zeit, über quasi nicht existente Bergstraßen, zum Start gebracht. Der Start lag in einem Grenzgebiet und wurde von Soldaten überwacht. Man hat das Gefühl gehabt, dass wir alle etwas Illegales vor haben 😊.

 

Nach einem flotten 7 km Bergauflauf entlang eines Bergflusses, begann der erste richtig steile Anstieg. Hier konnte man bereits erkennen, wer für diese Herausforderung gut vorbereitet war, und wer nicht. Ich war durch die heimischen Alpen in Österreich ganz gut auf solch steile Anstiege vorbereitet und konnte mich bis zu Platz 20 durchsetzen.

 

Erst auf dem ersten 2000er habe ich die Karpaten in voller Pracht erleben dürfen. Auf dem Grat war in allen Richtungen die Aussicht weit und eine wunderschöne Kulisse sichtbar.

 

Die Sonne hat die Luft dann sehr schnell bis auf 36°C aufgewärmt. Die Wärme hat vielen Athleten sehr zugesetzt. Ich konnte mittlerweile gut damit umgehen und konnte mich bis auf  Platz 10 nach knapp 30 km, die Hälfte der Strecke, durchsetzen. Ich war sehr glücklich mit der Platzierung zu diesem Zeitpunkt. Bis zur letzten Labe vorm letzten Anstieg konnte ich noch zwei weiteren Athleten überholen. Bei der Labestelle gesellten sich dann drei weitere Läufer zu mir. Hier wurde bei allen Teilnehmern die Sicherheitsausrüstung kontrolliert und ich konnte relativ schnell die Labe wieder verlassen. Der letzte Anstieg war wieder sehr steil und in der Sonne exponiert. Ich konnte immer noch gut die Hitze vertragen und als sechster Läufer gesamt den letzten 2000er erklimmen. Bergab setzte ich mich sofort ab und konnte in den letzten 18km den gesamt fünften Platz sichern. Ich habe ziemlich alles gegeben und hatte trotzdem richtig Spaß beim Rennen. Kurz vorm Ziel war es dann doch eine Überwindung mit so wenig Flüssigkeit in der Hitze weiterzulaufen, aber  die Vorfreude auf die Wassermelonen im Ziel hatte mich dann doch ziemlich angespornt. 😊 Das Warten hat sich gelohnt!

 

 

 

Insgesamt war dieser Ultratrail ein anspruchsvolles, technisch herausforderndes, aber auch extrem schönes Rennen! Der Bewerb zeigte sich als ein einzigartiges Bergerlebnis und ich konnte die Freundlichkeit der Menschen mit nach Hause mitnehmen.

 

Auf das Ergebnis bin ich auch sehr stolz! Als 5.Läufer gesamt vor 400 anderen Mitstreitern und direkt hinter den professionellen Bergläufern nach 7 Stunden und 28min ins Ziel  zu kommen, ist ein sehr schönes Gefühl.

 

Ich glaube, ich freute mich mehr über meinen 5.Platz, als alle anderen auf dem Podest. 😊 (siehe Foto der Siegerehrung). Die ersten 5 Finisher wurden geehrt und einer davon war ich!