Transalpine Run 2021:
Habt ihr schon mal von dem Lauf gehört? Ein Etappenlauf quer über die Alpen. Beginnend an der Deutschen Grenze in Vorarlberg, weiter quer durch die österreichischen Alpen in die Schweiz und von der Schweiz weiter Richtung Süden nach Italien mit Ankunft am Fuße des Stilfser Jochs. Die Strecke ändert sich jedes Jahr und heuer galt es in Summe 236 km mit 14.000 Höhenmeter in sieben Tagen zu absolvieren.
Klingt ziemlich spannend und herausfordernd für jeden Menschen. So war das dann auch.
Insgesamt haben 300 Mannschaften, bestehend aus zwei Personen, also 600 Menschen sich dieser Herausforderung gestellt.
Nach einem privat echt sehr schwierigen Jahr für mich und einer unbekannten Krankheit 3 Wochen vor dem Lauf, war ich somit nicht ganz 100% fit für den Start. Aber wer ist schon immer 100% für Herausforderungen bereit? Ich wollte den Lauf durchziehen und bin meiner Entscheidung treu geblieben. Es war jeden Schweißtropfen wert!
Zurück zum Lauf - der war ja richtig schön! Jeden Tag haben wir ein wunderschönes Wetter erlebt und genießen dürfen. Täglich Sonne mit wolkenlosem Himmel und unglaublich schönem Weitblick über die Alpen. Was will man mehr? Vielleicht eventuell mehr Zeit, um das Ganze in Ruhe genießen zu können. Trotzdem blieb während des Rennens doch immer Zeit für Fotos und Videos.
Das Rennen verlief in Etappen und wir haben uns von Tag zur Tag Richtung Italien bewegt. Bei der ersten Etappe sind alle noch sehr motiviert mit einem schnellen Tempo weggelaufen, überwältig von der alpinen Kulisse und der Stimmung. Die Stimmung, das Lachen im Gesicht und die unglaublich schöne Landschaft rundherum haben uns zum schnelleren Laufen motiviert. Am Ende des Tages sind wir als 10. Mannschaft über die Ziellinie gelaufen. Im Ziel haben wir uns selbst gesagt:“ Hoffentlich nicht zu schnell gestartet 😊 !“.
Es ging von Tag zu Tag eigentlich genauso weiter. Unsere Energie trieb uns voran, trotzdem vergaßen wir nicht auf die Regeneration und Ruhe am Tagesende. Es hat eigentlich ganz gut funktioniert - bis auf eine Ausnahme. Am vorletzten Tag, auf der längsten Etappe und Überquerung der 3000er war bei mir nach 10km, von gesamt 48km, die Luft raus. Kurz vor einem Dreitausender ist das nicht so spaßig und lustig. Energy-Drinks haben letztendlich auch nicht mehr geholfen. Aber was soll ich sagen - ich habe dann wirklich alles gegeben bis ich oben war. In solchen Situationen muss man einfach alles, was noch positiv ist, aus der Schublade herausziehen und sich Schritt für Schritt nach vorne bewegen. Ich dachte mir, hey, ich habe zwar keine Energie mehr, aber ich habe keine Schmerzen oder Verletzungen. Reiß dich zusammen und geh weiter! Die unglaublich schöne Kulisse und die unterstützenden Worte meiner Mitstreiter, die mich überholt haben, haben mich langsam weiterbewegt.
Die, noch zu dem Zeitpunkt unbekannte Krankheit und der andauernde Schlafmangel über die letzten 5 Tage, haben sich offensichtlich bemerkbar gemacht. Es war ein mentaler Kampf um irgendwie ins Ziel zukommen. Zwischen km 15 und km 35 kann ich mich kaum mehr erinnern wie und wo ich gelaufen bin. Der Vorteil meines energielosen Zustands: Ich konnte die Landschaft dieser Etappe etwas mehr genießen als in den Tagen davor, da ich einfach um so viel langsamer war. Nach dem ich vorm Ziel noch sehr viele Menschen überholen konnte, die nur noch teilweise gegangen sind, wusste ich, dass es auch den anderen dreckig gegangen ist. Wir sind trotzdem als 20. Mannschaft an dem Tag über die Ziellinie gelaufen.
Nach Überquerung der Ziellinie bin ich direkt ins Medicalzelt und habe mich dort versorgen lassen. Nach 4 isotonischen Infusionen war ich wieder bereit etwas Leckeres zu essen, um dann ins Bett zu fallen und einen erholsamen Schlaf zu genießen. Der letzten Etappe am nächsten Tag stand somit nichts mehr im Wege.
Die letzte Etappe sind wir sehr zurückhaltend und gemütlich von Anfang an angegangen. Sobald wir den höchsten Punkt bei der Querung nach Italien erreichten und wir uns sehr gut gefüllt haben, haben wir beschlossen unsere Stärke im Downhill zu nutzen und wieder Gas zu geben. Bereits nach 10km in Italien lagen wir wieder auf Platz 10! Gefühlt 100 Mannschaften überholt! 😊.
In Italien zu finishen hatte was Schönes an sich. Und die Ankunft in Südtirol am Fuße des Stilfser Jochs sowieso! Bella Italia, ciao! Es war ein Abenteuer und ein wirklich tolles Erlebnis! In so kurzer Zeit so viel zu sehen und so viel zu erleben war richtig erhebend!
Jetzt, nach einiger Zeit zurückblickend, bin ich so dankbar, dass mein Körper und Geist mir solche unglaublich schönen Abenteuer ermöglichen! Wir hatten echt Spaß gehabt, natürlich auch etwas Schmerzen, aber der Spaß blieb im Vordergrund. Es bleiben nur noch positive Eindrücke von den wunderschönen Trails quer durch die Alpen!
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